MOTHER 3 - Review

geschrieben von V-King

MOTHER3 stellt den Abschluss der MOTHER-Trilogie dar. Und das mit einem bombastischen Finale und einem sehr interessanten Werdegang, zu dem ich allerdings am Schluss dieses Berichts komme.

Ausganspunkt von MOTHER3 ist Tazmily, eine Stadt auf Nowhere Island und Heimatort der Helden von MOTHER3. Die Story von MOTHER3 ist diesmal auch um einiges ernster und mit viel mehr Wendepunkten versehen als die Stories der ersten zwei Teile. Während bei den Vorgängern zu gleichen Teilen eine herzergreifende Story mit Humor gemischt wurde, wurde bei MOTHER3 der Humor zugunsten einer noch glaubwürdigeren, herzergreifenderen und traurigeren Story geopfert.

In alter Tradition beginnt MOTHER3 wieder mit dem schlafenden Haupthelden namens Lucas. Lucas ist ein kleiner 10jähriger Blondschopf und der etwas jünger und ängstlicher als sein Zwillingsbruder Claus.
Lucas wird von Claus geweckt, der bereits draußen bei den Dragos, einer T-Rex-ähnlichen Saurierrasse, und seiner Familie wartet.

Lucas macht zusammen mit seiner Mutter Hinawa und seinem Bruder Claus Urlaub bei Alec, Hinawas Vater, der sein Haus auf eben jenem Gebirge hat, das sonst als Zuhause der Dragos dient. Hinawa schickt ihrem Mann Flint per Brieftaube einen Brief und das wäre soweit auch schon der Prolog des Spiels.

Ab hier bemerkt man schon eine kleine Änderung in der Erzählung der MOTHER-Spiele: Die Story von MOTHER3 ist in Kapitel unterteilt. Insgesamt sind es acht Kapitel, von zwischen den ersten vier Kapiteln immer eine gewisse Zeitspanne übersprungen wird.

Wie bereits gesagt, ist die Story von MOTHER3 trauriger, herzergreifender und auch finsterer als es die Stories der anderen beiden Teile jemals waren. Es gab in MOTHER/EarthBound Zero und EarthBound zum Beispiel keine sterbenden Charaktere (bis auf Zombies); es gab ohnmächtige Charaktere, es gab schlafende Charaktere, aber es gab keine sterbenden Charaktere.
Eben dies ist bei MOTHER3 komplett anders und wird einem bereits am Ende des ersten Kapitels gezeigt, da bereits dort einer der storytragenden Charaktere das Zeitliche segnet.

Man merkt einfach, dass MOTHER3 nicht nur anders als der Rollenspiel-Standard, sondern auch noch anders als seine beiden Vorgänger ist. Und das ist genau der Teil vom Spiel, der am meisten hervorsticht, sehr positiv, wie ich hier anmerken möchte. MOTHER3 schafft es, eine Story zu erzählen, die zwar immernoch lustig ist wie seine Vorgänger, aber dafür auch umso trauriger und düsterer wirkt. Es gibt einige Stellen, an denen man wirklich hart schlucken muss. Gerade auf Handhelds wird man wohl selten Spiele finden, bei denen einem die Tränen so aus den Augen rieseln wie bei MOTHER3.

Was neben der Story jedoch auch einen Sprung nach vorne gemacht hat, ist das Kampfsystem. Es spielt sich zwar genauso wie in EarthBound, jedoch gibt es einen Clou, der in der Musik versteckt ist: Je nachdem, welche Melodie im Kampf spielt, könnt ihr im Rhythmus zur Musik Combo-Schläge kassieren. Wenn ihr also im Takt zur Musik den A-Knopf zum Angriff drückt, könnt ihr bis zu 16 Angriffe auf den Gegner auf einmal starten. Das macht die Kämpfe um einiges schneller, allerdings kann man, wenn man musikalisch nicht so begabt ist, auch einfach wie gewohnt auf den A-Knopf hämmern.

MOTHER3 war ursprünglich für das Nintendo64 geplant. Selbst ein amerikanischer und verblüffenderweise auch ein europäischer Release waren geplant. Es wurde 1998 zuerst für das 64DD (das Zusatzlaufwerk für das Nintendo64, welches nie außerhalb Japans erschienen ist) als Launchtitel angekündigt. Nach einigen informationslosen Monaten wurde es 1999 erstmals spielbar gezeigt.
Ende 1999 kam dann das 64DD-Laufwerk heraus...ohne MOTHER3. Als das 64DD dann derbe floppte (wie das Satellaview für das SNES Jahre zuvor), wurde MOTHER3 als reguläres Nintendo64-Spiel angekündigt. Einige Monate nach dieser Ankündigung wurde das Spiel dann offiziell von Nintendo gecancelt, zumindest fürs Erste.

Viele Mitarbeiter von HAL und Nintendo, die an dem Spiel gearbeitet haben, waren natürlich nicht gerade erfreut darüber. Derjenige, der sich wahrscheinlich am wenigsten darüber gefreut hat, war Shigesato Itoi, seines Zeichens Erfinder, Autor und Director der MOTHER-Reihe. Auf seinem Blog schrieb er damals, er hätte das Spiel, soweit wie es fertiggestellt war (was wohl etaws mehr als die Hälfte des Spiels gewesen sein durfte), mit den anderen Mitarbeitern durchgespielt. Viele Mitarbeiter wären an einigen Stellen regelrecht in Tränen ausgebrochen, dass ausgerechnet für dieses Spiel einfach der Hahn dicht gemacht wurde.

Dann war es lange Zeit still um das Spiel. Ende 2002 verdichteten sich jedoch die Gerüchte, dass sich Shigesato Itoi mit Leuten von Nintendo, HAL und Brownie Brown unterhalten haben soll. Zunächst war nicht eindeutig, ob damit eine eventuelle Wiederauferstehung von MOTHER3 gemeint war.
Als 2003 dann die MOTHER1+2 Compilation für den GameBoy Advance herauskam, waren einige Fans zunächst ernüchtert. Gleichzeitig wurde aber MOTHER3 indirekt ofiiziell angekündigt, da schon in der Werbung für MOTHER1+2 ein Mr. Saturn sagte, man würde auch an MOTHER3 arbeiten.

Anfang 2006 dann wurde MOTHER3 ganz offiziell angekündigt mit einem Release für den 20. April selbigen Jahres. Das Spiel wurde ein voller Erfolg in Japan. Fast 300.000 Einheiten wurden allein Releasetag verkauft. Schließlich war es seit der ersten Ankündigung für das Nintendo64 fast immer in den Top10 der Most Wanted-Charts der Famitsu Weekly vertreten, mit ein paar wenigen Ausnahmen, und das selbst über die Cancelung hinaus!

Leider kann man heute nicht mehr davon ausgehen, dass MOTHER3 noch irgendwann seinen Weg in den Westes finden wird.
Allerdings hat sich bereits seit der Veröffentlichung 2006 eine Gruppe zusammengetan, um MOTHER3 so professionell wie möglich ins Englische zu übersetzen. Das Ergebnis war ein Übersetzungspatch, den Nintendo selbst nicht besser hätte machen können.

Mit dieser englischen Fan-Übersetzung als Basis sind auch noch Übersetzungen ins Spanische, Französische und natürlich ins Deutsche geplant. Man darf also weiterhin gespannt sein.


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